THEATER HÖRBRANZ

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Eine Komödie um Tod und Leben in drei Aufzügen von Braig und Ritschel nach Franz von Kobell, Premiere im Juli 2005

Schlotza muass man

Durch das wunderschöne Ambiente des neu gestalteten Kirchplatzes animiert und durch unser Publikomsinteresse gefördert, haben wir heuer erstmalig in der Geschichte des Hörbranzer Theaters ein besonderes Vorhaben: eben auf diesem oben erwähnten Platze eine Freilichtinszenierung des berühmten

„Die Geschichte vom Brandner Kaspar“ (schlotza muass man)

aufzuführen.

Kaspar 1

Der Bodenseefischer Kaspar Brandner hat an einem Abend noch Besuch vom Knochen Karle, dem Chef des himmlischen Abholdienstes. Dieser will ihn mitnehmen ins Paradies, da er den Auftrag dazu erhalten hat. Der Knochen Karle, er selbst nennt sich ja „Boiner Karle“, weil er ein Schwabe ist, ist gleichzeitig ein großer Anhänger der „Viertele-Zunft“. Das bekommt der Kaspar natürlich bald mit und so versucht er dem Knochen Karle mit Erfolg noch weitere Lebensjahre abzuluchsen.. So füllt er den Knochen Karle derart mit Weißherbst ab, dass dieser ihm verspricht, ihn erst in 20 Jahren von der Erde abzuholen und ins Paradies zu führen.

Da aber im Himmel der gestrenge Lateinicus über die Datei waltet, muss der Karle einen Trick anwenden und den Kaspar Brandner sozusagen karteimäßig umsortieren. Das sollte die nächsten zwanzig Jahre niemandem auffallen …aber eines Tages ….

Das in dieser Art wohl einmalige Lustpiel ist bereits zum Kult geworden und wird also auf der wie dafür geschaffenen Naturbühne vor dem erhöhten Kirchenportal zur Aufführung gelangen.

Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben


Es ist längst zum Kultstück geworden. Doch was ist das faszinierende an diesem Volksstück ,das seine Ursprünge in Bayern hat ?

Ich denke es hat mit dem Mythischen, dem Legendären der Geschichte zu tun… etwas, was besonders heute Menschen ganz stark brauchen. Etwas, das naiv und optimistisch in seinem Empfinden ist, ohne blöd und albern zu sein . Da ist der Eine über den man gar nicht gerne spricht und den man stets verdrängt plötzlich der ,  mit dem man Mitleid hat, den man überlistet hat, man hat ihn besiegt den Knocha Karle, den Tod. Und doch ist er, der unheimliche Bruder des Schlafes , mit dem man plötzlich mit leidet , als ob er ein Teil von uns wäre. Dass diesem  Drama um Leben und Tod, ein so gewaltiger Erfolg beschieden ist kann ich mir nur so erklären wie es der seinerzeitig berühmte Theaterregisseur Kurt Wilhelm gesagt hat: Es liegt wohl daran, dass in unserer Zeit mit ihren Glaubensverlusten hier eine konkrete Vorstellung vom Himmel gegeben wird – eine freundliche, komödienhafte noch dazu.

Kaspar 2

Angefangen hat das alles mit einer kleinen Erzählung von Kobell, die 1871 erschien.

Wir haben seine Erzählung von den Wilderern in Bayern zu den Fischern vom Bodensee verlegt und haben  dem Knochen Karle zum Vergnügen aller Zuschauer einen schwäbischen Dialekt gegeben. Den strengen Lateinicus aber in Vorarlberger Hochdeutsch, eben das Pfänderdütsch, sprechen lassen. Alle anderen Akteure reden so wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Wir wollen uns der Illusion hingeben, dass wir dieses Stück jedes Jahr auf diesem Platze spielen wollen und Zuschauer aus Nah und Fern zu uns kommen, so eine Art – Salzburg hat den Jedermann, in Hörbranz ist der Brandner dran.

Der Diretore
Werner Ritschel